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Entstehung der Mehrphasentherpie

Die Entwicklung der Mehrphasentherapie wird in der Schilderung von Sigrid Damm deutlich: 
 
"Als Grundausbildung zum Studium der Psychotherapie erschien 1954 die „Rhythmische Erziehung" speziell geeignet. Damals stellten nämlich die Rhythmische Erziehung und die Gestaltungstherapie obligatorische Anteile der Ausbildung zur Psychotherapie am Stuttgarter Institut für Psychotherapie und Tiefenpsychologie dar, sowohl für die Behandlung von erwachsenen Patienten als auch von Kindern und Jugendlichen. Zu dieser Zeit bezeichnete sich das „Institut für Psychotherapie und Tiefenpsychologie", die spätere „Stuttgarter Akademie für Tiefenpsychologie", als „synoptisch ausgerichtet". Das Wort stammt aus dem Griechischen und bedeutet: „Zusammenschauen." Gemeint war, dass unterschiedliche Erlebens- und Verhaltensebenen des Patienten: die körperliche, die bildhafte und die sprachliche, als zusammenhängend verstanden und therapiert werden sollten. Damals zeigte sich erstmals der Verdacht, dass Psychotherapie für manche Patienten unwirksam sei, wenn sie nicht parallel auf allen drei Ebenen stattfände. - Ein Gedanke, der allmählich immer berechtigter erscheint! - Die Gesamtentwicklung der Psychotherapie ging jedoch später in eine ganz andere Richtung, sie hat zu einer scharfen Abgrenzung der Sachgebiete und Fachgesellschaften geführt. Kombiniert behandelt wird heute fast nur an psychotherapeutischen und psychosomatischen Kliniken, nicht in der ambulanten Praxis.

Die Rhythmische Erziehung stellt ein Studienhauptfach an Hochschulen in der Bundesrepublik, Frankreich und der Schweiz dar. Eines der vordringlichsten Anliegen bildet die Aktivierung und Ausdifferenzierung unterschiedlicher im Alltag benötigter Ichfunktionen.

Solche sind z.B. Ich-Funktionen des Körpererlebens und -verhaltens, der Wahrnehmung, der Bewegung, der Kreativität (Malen, Erfinden, Singen, Tanzen, Szenenspiel), des Ordnens und Strukturierens, des Unterscheidens und Entscheidens, des Denkens, des Verbalisierens, des Umgehens mit Kausalität. Auch Ichfunktionen des Erlebens, Wahrnehmens und Verhaltens innerhalb von Beziehungen, als Einzelner, im Paar oder im Team gehören zum Ausbildungsstoff.

Zu Beginn der damaligen Weiterbildung zur analytischen Psychotherapeutin von Kindern und Jugendlichen bestand die Verpflichtung, den Grundberuf bis zur Vorprüfung auszuüben, da ja eine Befähigung zur Ausübung von Psychotherapie noch nicht nachgewiesen sei. So kam es, dass ich schon als Weiterbildungskandidatin der Kinderpsychotherapie eine damals gefragte „Rhythmikpädagogin" war und Gruppen mit erwachsenen Patienten, die bei mehreren meiner Ausbilder in Einzelanalyse waren, leitete. Die Gruppenarbeit wurde damals fortlaufend von Supervisoren der Stuttgarter Akademie für Tiefenpsychologie supervidiert.

Während meiner Weiterbildung zur Psychoanalytikerin für erwachsene Patienten arbeitete ich in der Gruppe dann auch mit solchen Patienten, die ich selbst in Einzeltherapie hatte. Damals war, ohne dass dies mir selbst aufgefallen wäre, die kombinierte Gruppen- und Einzeltherapie in einer Hand entstanden, immer supervidiert von Stuttgarter Supervisoren. 1969 konnte ich sogar für meinen Examensfall als parallel tätige Supervisoren einen Freudianer (DPV) und einen Jungianer (DGAP) gewinnen, was auch sehr fruchtbar war. Damals wurde also der Behandlungsverlauf regelmäßig unter Aspekten zweier verschiedener Fachgesellschaften supervidiert, die mehr und mehr zueinander in Gegensatz gerieten. Die Konflikte zwischen den Fachgesellschaften waren damals noch nicht so ausgeprägt wie heute.

Schon von Anfang an war den Supervisoren aufgefallen, dass Patienten, wenn sie in die Gruppe kamen, "mehr träumten" als vorher: Die Bildersprache des Unbewussten schien durch die multimodale Gruppenarbeit angeregt. Zusätzlich wurde deutlich, dass sich bei den frei improvisierenden Reaktionen der Patienten auf Modellaufgaben oft spontaner Selbstausdruck unbewusster Problematik einstellte, der dem in Kindertherapien ähnlich schien.

Dabei fiel auf, dass bei Patienten, z.B. mit schweren psychosomatischen Krankheiten oder nach schweren Traumata mit starker Spaltungsabwehr solche Selbstäußerungen sehr bewusstseinsfern sein konnten und oft schon während der Gruppensitzung wieder verdrängt wurden. Sie schienen dann nicht kompatibel mit dem bewussten Ich.

Auch als Psychoanalytikerin blieb neben der Einzelpsychotherapie die multimodale Arbeit mit Patientengruppen Bestandteil meiner Tätigkeit. Zur ausreichenden Verarbeitung dessen, was sich in der multimodalen Gruppenarbeit gezeigt hatte, kombinierte ich diese stets mit wöchentlichen Einzelsitzungen.

Allmählich wurde deutlich, dass auch mit dieser multimodalen Form des Psychotherapierens, manche Patienten - vor allem solche mit frühen Entwicklungs-Störungen, psychosomatischen Krankheiten und nach schweren Traumata - wenig Zugang zum emotionalen Hintergrund ihres speziellen psychischen Erlebens fanden. Um eine tiefere Schicht der Patienten mit meiner Arbeit erreichen zu können, entschloss ich mich, Primärtherapie und körpertherapeutische Vorgehensweisen zu erlernen. Ich ging zu diesem Zweck für 1 1/2 Jahre nach Los Angeles.

Als Analytikerin überzeugten mich die Vorgehensweisen Janovs und Reichs nur teilweise. Zwar konnten mit deren technischen Mitteln brauchbare Zugänge zu prä- oder extraverbalen Persönlichkeitsanteilen gefunden werden, aber die Arbeit an der Differenzierung von Ichfunktionen und die Beziehungsarbeit an Widerstand und Übertragung fehlte. So entschloss ich mich, meiner psychoanalytischen Arbeit treu zu bleiben, ihr jedoch eine weitere technische Vorgehensweise hinzuzufügen, die Regressionstechnik.

Ich differenzierte nach meinem Amerika-Aufenthalt meine Gruppenarbeit und erarbeitete zwei unterschiedliche Formen des Vorgehens.

  1. Die Modellimprovisation, entstand aus der Rhythmischen Erziehung und zielt auf den Umgang mit den eigenen Ichfunktionen und ihren Gebrauch im täglichen Leben.

  2. Die Regressionstechnik, entstand aus Körpertherapie, Primärtherapie und Säuglingsforschung, gezielt auf Einbeziehung der prä- und extraverbalen Schichten und ihre Vernetzung mit bewusstseinsnäheren Ich-Anteilen des Patienten.

Beide Formen der Gruppenarbeit werden stets mit Einzelsitzungen kombiniert. Sie finden Anwendung in der Mehrphasentherapie, einer multimodalen, speziell patienten- und prozess- orientierten Form psychotherapeutischen Vorgehens.

1992 wurde das IMT, Institut zur Förderung der psychoanalytisch orientierten Mehrphasentherapie als gemeinnütziger Verein gegründet.

1994 wurde dem Institut ein Weiterbildungsressort mit zwei Formen der Weiterbildungen angeschlossen: Weiterbildung A und Weiterbildung B."